Archiv für Februar, 2013

Fremdgehen – Einmal ist keinmal …oder…alles ist aus?

Vor kurzem wurde  ich vom regionalen Radiosender angerufen, mit der Bitte um ein Interview zum Thema: Fremdgehen. Aktueller Anlass war der bevorstehende Weiberfasching mit seinen zahlreichen Versuchungen und Möglichkeiten.
Die erste Frage der Redakteurin überraschte mich etwas. Sie fragte mich, ob ein Seitensprung immer das Aus einer Beziehung bedeutet?
Selten erlebe ich Paare, die sich nach einem einmaligen Seitensprung und sogar nach längeren Affären trennen. Eine lange gemeinsame Geschichte, gemeinsam bewältigte Herausforderungen und natürlich gemeinsame Kinder sind den meisten Menschen Grund genug weiter zu machen. Der Seitensprung ist also viel eher Lackmustest oder Katalysator als eine Einbahnstraße ins „Off“.
In meiner Praxis erlebe ich sehr häufig Paare, die nach einem Seitensprung eine sehr aktive Auseinandersetzung mit sich und ihrer Beziehung beginnen. Man könnte sagen, dass mit dem Fremdgehen ein Prozeß angestoßen wird, der im Untergrund schon lange schwelte und nun zum Ausbruch kommt. Das Paar ist gezwungen, den IST-Stand zu überprüfen und herauszufinden, worin die aktuellen Probleme liegen.

Natürlich ist dieser Weg nicht gerade einfach und fröhlich, denn zum aktuellen Schmerz durch das Fremdgehen (und das betrifft beide Partner) kommt nun ein ernüchternder Blick auf eine Beziehung und das eigene Verhalten, das vielleicht Gefühle wiederspiegelt, die schon lange ziemlich abgekühlt waren.

Die Auseinandersetzung mit den Themen die durch den Seitensprung zu Tage gebracht werden, kann auf sehr vielseitige Weise erfolgen. Sie hat oft einen klärenden Effekt, der oft -obgleich man dies am Anfang nicht Glauben kann- eine gelungenere und schönere Partnerschaft hervorbringt.

Dies ist natürlich nicht als Aufforderung zum Fremdgehen oder als Entschuldigung für Untreue misszuverstehen. Der leichtere und angenehmere Weg ist sicherlich der, sich immer wieder der eigenen Beziehung bewußt zu werden und eine Orientierung für sich selbst und den Partner zu haben. Bei Unzufriedenheit gibt es nichts besseres, als sich mit den Themen zu konfrontieren und eine neue Blickrichtung oder notwendige Änderungen aktiv zu betreiben.

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